Spiele (in German)

  • PDF

Bericht von Toine van Teeffelen, Arab Educational Institute in Bethlehem

12/12/2016


Kürzlich verbreitete sich das Gerücht, dass eine neue „Yeshiva“ – Schule für jüdische Studien - direkt gegenüber vom Sumud Story Haus nahe dem Rachel-Grab in Bethlehem eingerichtet werden solle. Man weiß nie, wie ernst solche Spekulationen sind. Israel könnte das Gerücht gestreut haben, um die Bewohner von Bethlehem vorzubereiten oder zu testen. Die Besatzung arbeitet damit, die Situation unvorhersehbar zu halten.

Aber ich wäre nicht überrascht, wenn das so wäre. Das Land gegenüber dem „Haus“ hat zwar private Besitzer, wurde aber für seine Besitzer (Palästinenser aus dem Raum Bethlehem und die Armänische Kirche) unzugänglich gemacht außer an einer beschränkten Zahl von Tagen im Jahr. Vor einigen Jahren habe ich von Mary’s Onkel, einem der Besitzer, gehört, dass man das Land tatsächlich in ein „Eigentum Abwesender“ gemacht hat. Natürlich waren die Abwesenden nicht aus eigenem freien Willen abwesend. Die Statusveränderung schien das letzte Stadium zu sein vor einer vollen Enteignung.

Diese Enteignung würde es für Israel möglich machen, weiter in die Richtung auf die Hebron-Straße in Bethlehem vorzurücken, ebenso wie durch die Einrichtung einer Yeshiva.

Während ich darüber nachdenke, erscheint mir die Dynamik des Siedlungsbaus irgendwie wie ein Spiel. Zurzeit ist die Ausdehnung der Siedlungen in der Westbank wie eine Kombination von Schach und dem chinesischen Go-Spiel.

Go besteht darin, schrittweise mehr Raum zu umschließen wie der Gegner.

Das passiert gerade in Nord-Bethlehem. Das Israelische Komitee für Planung und Bau hat kürzlich dem Bau von 770 Haus-Einheiten in Gilo direkt im Norden von Beit Jala westlich von Bethlehem zugestimmt. Nach der liberalen israelischen Zeitung – Haaretz – war die Zustimmung nicht endgültig. Der Siedlungsprozess verläuft typisch stufenweise, weil Israel nach dem politisch richtigen Zeitpunkt ausschaut, um siedlungsrelevante Bewegungen vorzunehmen und sich dabei zu richten – oder auszu- testen - wie darauf international reagiert wird.

Die Ausdehnung von Gilo wird im Norden Bethlehem noch mehr umgreifen. Der Siedlungsring wird durch den Bau einer vollständig neuen Siedlung, Givat Hamatos, geschlossen werden. Das Gelände, wo sie gebaut werden wird, gegenüber dem Kloster Mar Elias, wurde einmal für das sogenannte „Holländer-Dorf“ genutzt, ein Barackendorf, wo zu seinem Höhepunkt während der 1990er Jahre einige 2000 Menschen lebten – einschließlich neuer jüdischer Immigranten, besonders Schwarzer aus Äthiopien. Es war ein Projekt, das der holländische Reverend Glashouver als Teil einer Initiative fundamentalistischer Christen unterstützte. Nun gibt es den Plan, dass in seiner letzten Ausbauphase eine Siedlung für 4000 Wohneinheiten fertig sein soll. Givat Hamatos würde Gilo mit Har Homa im Norden von Bethlehem/Beit Sahour zusammenschließen.

Bei Israels Go-Spiel geht es darum, palästinensische urbane Gebiete zum umfassen und die israelischen Siedlungen aneinander zu binden, und auch darum, palästinensische urbane Gebiete von einander abzuschneiden. Z.B. wird als Ergebnis der neuen Ausweitung der Siedlung der palästinensische Stadtteil Beit Safar innerhalb des Stadtgebietes von Jerusalem isoliert sein und auch abgetrennt von Bethlehem.

Zusätzlich zu der Politik des Zusammenschließens und Abtrennens enthält der Siedlungsprozess eine Dimension der Durchdringung.

Ich assoziiere Durchdringung mit dem Schachspiel. In meiner Jugend habe ich viel Schach gespielt, und der Moment größten Vergnügens geschah bei dem Spiel, wenn man den Stein mitten in das Gebiet des Gegners zu setzen vermochte, sodass die Bewegungsfreiheit des anderen gelähmt wurde.

Das passiert im wirklichen Leben hier durch die Siedlungen, die sie in den unteren Teil von Hebron setzen oder neben das Grab der Rachel. Eine Yeshiwa-Schule neben dem Grab der Rachel wäre neuerdings eine Bewegung tief in das urbane palästinensische Gebiet. Merken Sie, wie der ganze Nordteil von Bethlehem vom Grab der Rachel abgetrennt wird und durch Trennmauern isoliert, so ist die Taktik klar.

Dutzende Außenposten der Siedlungen in der Westbank, die sogar nach israelischem Recht illegal sind (aber vom Anbeginn an unterstützt wurden durch staatliche Operationen an der Infrastruktur), wurden auf privaten palästinensischen Grundstücken errichtet. Diese Außenposten dringen oft in Land ein, das entscheidend ist für einen zukünftigen palästinensischen Staat. Gegenwärtig ist die israelische Politik dabei, 55 dieser Außenposten-Siedlungen in der Hoffnung zu legalisieren, dass der amerikanische gewählte Präsident Trump nichts dagegen einzuwenden hat.

Kein Wunder, dass gemäß der letzten öffentlichen Meinungsumfrage in der Westbank und in Gaza zwei Drittel der Palästinenser dort ihren Glauben an die Zweistaaten-Lösung verloren haben und eine Vertiefung der apartheidähnlichen Situation in der Westbank erwarten.

(Übers.: Gerhilde Merz)          

Bericht von Toine van Teeffelen, Arab Educational Institute in Bethlehem

12/12/2016

 

Kürzlich verbreitete sich das Gerücht, dass eine neue „Yeshiva“ – Schule für jüdische Studien - direkt gegenüber vom Sumud Story Haus nahe dem Rachel-Grab in Bethlehem eingerichtet werden solle. Man weiß nie, wie ernst solche Spekulationen sind. Israel könnte das Gerücht gestreut haben, um die Bewohner von Bethlehem vorzubereiten oder zu testen. Die Besatzung arbeitet damit, die Situation unvorhersehbar zu halten.

 

Aber ich wäre nicht überrascht, wenn das so wäre. Das Land gegenüber dem „Haus“ hat zwar private Besitzer, wurde aber für seine Besitzer (Palästinenser aus dem Raum Bethlehem und die Armänische Kirche) unzugänglich gemacht außer an einer beschränkten Zahl von Tagen im Jahr. Vor einigen Jahren habe ich von Mary’s Onkel, einem der Besitzer, gehört, dass man das Land tatsächlich in ein „Eigentum Abwesender“ gemacht hat. Natürlich waren die Abwesenden nicht aus eigenem freien Willen abwesend. Die Statusveränderung schien das letzte Stadium zu sein vor einer vollen Enteignung.

 

Diese Enteignung würde es für Israel möglich machen, weiter in die Richtung auf die Hebron-Straße in Bethlehem vorzurücken, ebenso wie durch die Einrichtung einer Yeshiva.

 

Während ich darüber nachdenke, erscheint mir die Dynamik des Siedlungsbaus irgendwie wie ein Spiel. Zurzeit ist die Ausdehnung der Siedlungen in der Westbank wie eine Kombination von Schach und dem chinesischen Go-Spiel.

 

Go besteht darin, schrittweise mehr Raum zu umschließen wie der Gegner.

 

Das passiert gerade in Nord-Bethlehem. Das Israelische Komitee für Planung und Bau hat kürzlich dem Bau von 770 Haus-Einheiten in Gilo direkt im Norden von Beit Jala westlich von Bethlehem zugestimmt. Nach der liberalen israelischen Zeitung – Haaretz – war die Zustimmung nicht endgültig. Der Siedlungsprozess verläuft typisch stufenweise, weil Israel nach dem politisch richtigen Zeitpunkt ausschaut, um siedlungsrelevante Bewegungen vorzunehmen und sich dabei zu richten – oder auszu- testen - wie darauf international reagiert wird.

 

 Die Ausdehnung von Gilo wird im Norden Bethlehem noch mehr umgreifen. Der Siedlungsring wird durch den Bau einer vollständig neuen Siedlung, Givat Hamatos, geschlossen werden. Das Gelände, wo sie gebaut werden wird, gegenüber dem Kloster Mar Elias, wurde einmal für das sogenannte „Holländer-Dorf“ genutzt, ein Barackendorf, wo zu seinem Höhepunkt während der 1990er Jahre einige 2000 Menschen lebten – einschließlich neuer jüdischer Immigranten, besonders Schwarzer aus Äthiopien. Es war ein Projekt, das der holländische Reverend Glashouver als Teil einer Initiative fundamentalistischer Christen unterstützte. Nun gibt es den Plan, dass in seiner letzten Ausbauphase eine Siedlung für 4000 Wohneinheiten fertig sein soll. Givat Hamatos würde Gilo mit Har Homa im Norden von Bethlehem/Beit Sahour zusammenschließen.

 

Bei Israels Go-Spiel geht es darum, palästinensische urbane Gebiete zum umfassen und die israelischen Siedlungen aneinander zu binden, und auch darum, palästinensische urbane Gebiete von einander abzuschneiden. Z.B. wird als Ergebnis der neuen Ausweitung der Siedlung der palästinensische Stadtteil Beit Safar innerhalb des Stadtgebietes von Jerusalem isoliert sein und auch abgetrennt von Bethlehem.

 

Zusätzlich zu der Politik des Zusammenschließens und Abtrennens enthält der Siedlungsprozess eine Dimension der Durchdringung.

 

Ich assoziiere Durchdringung mit dem Schachspiel. In meiner Jugend habe ich viel Schach gespielt, und der Moment größten Vergnügens geschah bei dem Spiel, wenn man den Stein mitten in das Gebiet des Gegners zu setzen vermochte, sodass die Bewegungsfreiheit des anderen gelähmt wurde.

 

Das passiert im wirklichen Leben hier durch die Siedlungen, die sie in den unteren Teil von Hebron setzen oder neben das Grab der Rachel. Eine Yeshiwa-Schule neben dem Grab der Rachel wäre neuerdings eine Bewegung tief in das urbane palästinensische Gebiet. Merken Sie, wie der ganze Nordteil von Bethlehem vom Grab der Rachel abgetrennt wird und durch Trennmauern isoliert, so ist die Taktik klar.

 

Dutzende Außenposten der Siedlungen in der Westbank, die sogar nach israelischem Recht illegal sind (aber vom Anbeginn an unterstützt wurden durch staatliche Operationen an der Infrastruktur), wurden auf privaten palästinensischen Grundstücken errichtet. Diese Außenposten dringen oft in Land ein, das entscheidend ist für einen zukünftigen palästinensischen Staat. Gegenwärtig ist die israelische Politik dabei, 55 dieser Außenposten-Siedlungen in der Hoffnung zu legalisieren, dass der amerikanische gewählte Präsident Trump nichts dagegen einzuwenden hat.

 

Kein Wunder, dass gemäß der letzten öffentlichen Meinungsumfrage in der Westbank und in Gaza zwei Drittel der Palästinenser dort ihren Glauben an die Zweistaaten-Lösung verloren haben und eine Vertiefung der apartheidähnlichen Situation in der Westbank erwarten.

 

(Übers.: Gerhilde Merz)          

You are here: Products Blogs Spiele (in German)